Sechs Monate, neun Länder: Gedanken zu einer verrückten Zeit

Ich bin losgezogen, weil ich etwas Außergewöhnliches erleben wollte. Ich wollte nicht einfach nur ein paar schöne Landschaften sehen oder es mir gut gehen lassen. Ich wollte Dinge sehen und erleben, die mich erschüttern, die mich überraschen, die mich tief berühren, die mich inspirieren und verändern. Dinge, die mir neue Perspektiven auf die Welt und das Leben zeigen, einfach Dinge, die ich nie mehr vergessen werden.

Und das habe ich! Ich bin tagelang durch die Berge gewandert, alleine stundenlang durch Wälder spaziert. Ich stand hoch oben in den Bergen in den Ruinen des Machu Picchu, während die Sonne aufging und diesen Ort magisch werden ließ. Ich verbrachte drei Tage lang im Krüger Nationalpark in Südafrika und sah Löwen, diese beeindruckenden Jäger, auf der Lauer liegen, Elefantenherden mit ihren Babys durch den Schlamm ziehen, und unzählige weitere Tiere. Ich war überwältigt von der Schönheit und der Vollkommenheit der Natur, in der wir als stille Beobachter völlig bedeutungslos erschienen.

Ich stand das erste Mal auf einem Surfboard und surfte (oder versuchte es zumindest) in den Sonnenuntergang. Neuseeland schaffte es, mich vor lauter Schönheit in ungläubige Begeisterungsstürme zu versetzen, wenn über der perfekten Berg-See-Szenerie plötzlich auch noch ein riesiger Regenbogen erschien. Das erschien mir zu viel des Guten, das kann doch unmöglich real sein! Ein Paradies auf Erden eben.

Auf Fraser Island in Australien sah ich einen Sternenhimmel, der mir Tränen in die Augen trieb. Noch nie hatte ich so viele Sterne und die Milchstraße so riesengroß und leuchtend über mir gesehen. Das wilde Meer links neben mir, rechts der Regenwald und vor mir ein endlos weiter Strand. Wir alle starrten sprachlos in den Himmel und wahrscheinlich fühlte sich jeder ähnlich: tief berührt von der Schönheit, klein, demütig und glücklich.

Zum Abschluss meiner Reise sprang ich dann noch aus einem Flugzeug und raste im freien Fall durch die Luft. Vor sechs Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ich das einmal machen würde, aber genauso wenig wusste ich, was auf mich zukommt, als ich ins Flugzeug nach Peru stieg. Manchmal muss man eben das Beste erwarten und einfach springen, um etwas Außergewöhnliches zu erleben!

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No worries! Im Land der Koalas und Giftspinnen

Die letzte Station meiner Reise hieß Australien. Einen Monat lang bin ich die Ostküste hochgereist – von Sydney nach Cairns – und war so tiefenentspannt wie noch nie zuvor.

Sydney ist eine aufregende, schöne und lebendige Stadt. Dazu kommen viele traumhafte Strände wie Manly oder Bondi Beach, an denen sich hunderte Australier abends mit ihren Surfboards im Wasser tummeln, während die untergehende Sonne den Horizont rosarot einfärbt. Dies für einige Zeit zu beobachten, versetzte mich in eine besondere Stimmung, die mich auch die nachfolgenden Wochen in Australien begleitete: Man braucht nicht viel, um sich frei und glücklich zu fühlen. Es reicht das Meer, die Sonne und ein Surfboard (wenn man es denn kann).

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Sydney Opera House
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Byron Bay

Das Hippie-Paradies Byron Bay ist Tag für Tag voll von Reisenden und denen, die irgendwann mal als Touristen hergekommen und nie mehr gegangen sind. Byron Bay ist der Ort der Aussteiger und Musiker und des unbeschwerten Lebens. Es gibt nicht allzu viel zu sehen dort, doch schon allein der Stimmung wegen, würde ich jedem einen Zwischenstopp empfehlen. Außerdem kommen mit vielen verrückten Menschen auch verrückte Vorkommnisse: Z. B. wurde ich erstmals auf offener Straße mit einem pinken Beeren-Slush beworfen. Ich habe aber auch zum ersten Mal in einem Teepee geschlafen, auf Bambusbetten, mitten im Wald zwischen riesigen Green Water Dragons und Australian Brushturkeys. Morgens wurde ein paar Meter weiter gemeinschaftlich Yoga praktiziert.

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Lake McKenzie, Fraser Island

Highlights der Ostküste sind sicherlich die mehrtägigen Touren, die eigentlich jeder mitnehmen muss. Eine davon ist der Ausflug nach Fraser Island, die größte Sandinsel der Welt mit unberührter Natur, Traumstränden und auf Sandboden wachsendem Regenwald. Außerdem findet sich hier der berühmte Lake McKenzie, dem traditionell heilende Kräfte nachgesagt werden. Dass sich die Haare nach einem Bad im See anfühlen wie nach einer Haarkur, kann ich auf jeden Fall bestätigen.

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Fraser Island
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Fraser Island (Photo by Simone Delponte)

Nach dem Abendessen auf Fraser Island gingen wir noch einmal runter zum Strand. Und dort erwartete uns dieser atemberaubende Blick in den Nachthimmel. Noch nie hatte ich die Milchstraße so groß und leuchtend über mir gesehen und wir alle starrten in die Luft und waren gerührt, so sehr, dass mir die Tränen kamen. Glücklicherweise hatten wir einen professionellen Fotografen in unserer Gruppe, der den Sternenhimmel mit seiner Spiegelreflexkamera so gut einfangen konnte.

Die zweite größere Tour, die jeder an der Ostküste machen muss, ist das Whitsundays Segeln. Zwei Tage lang segelten wir in einer Gruppe aus 13 Leuten um die vielen Inseln der Region und erreichten am zweiten Tag den Whitehaven Beach, einer der weißesten Strände der Welt. Dazu kamen mehrere Schnorcheleinheiten im Great Barrier Reef, ein Paradies direkt unter der Wasseroberfläche. So schwimmt man zwischen unzähligen bunten Fischen und Korallen. Allerdings brauchte ich nach zwei Tagen und einer Nacht auf dem Boot mehrere Stunden, bis auch der feste Boden an Land unter mir endlich aufhörte zu schwanken.

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Whitehaven Beach, Whitsundays

 

 

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Whitehaven Beach, Whitsundays
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Skydive Cairns

Nachdem ich mir auf Magnetic Island eine Pythonschlange um den Hals gelegt und einen Koala gekuschelt hatte, erreichte ich Cairns, der nördlichste Punkt meiner Australienreise. Als letzte Aktion in Australien hatte ich mir noch etwas Besonderes aufgehoben: Den Fallschirmsprung, den ich dann bei strahlendem Sonnenschein, nachdem es vier Tage durchgeregnet hatte, endlich durchführen konnte. Ein Fallschirmsprung ist auch eines der Must-Dos in Neuseeland und Australien und ich wollte es unbedingt auch mal erlebt haben. Im freien Fall ging es dann in die Tiefe. Es war der Wahnsinn!

Von Cairns flog ich schließlich nach Brisbane, um zwei Tage später, nach sechs Monaten und neun bereisten Ländern, meinen Heimflug anzutreten. Auch aus der Luft sieht die australische Ostküste mit ihren Korallenriffen wunderschön aus.

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Von Cairns nach Brisbane